Erweitertes umwelt­sensitives Verkehrs­management

Die Luftschadstoffbelastung in hochbelasteten Straßen und städtischen Teilräumen Berlins weiter zu senken und die Mobilitätswende zu fördern, sind die erklärten Ziele des erweiterten umweltsensitiven Verkehrsmanagements (eUVM).

Hintergrund © Adobe Stock/zeralein

Ein umweltsensitives Verkehrsmanagementsystem (UVM) ist ein auf Daten basierendes Verkehrsmanagement, mit dem die Verkehrslenkung im urbanen Raum je nach Schadstoffbelastung dynamisch angepasst werden kann. Es laufen bereits seit mehreren Jahren Aktivitäten im Bereich des umweltsensitiven Verkehrsmanagements in Berlin. In der Invalidenstraße werden bereits einige Ampeln umweltsensitiv geschaltet. 

Die Aktivitäten sollen nun u.a. über das eUVM-Projekt zusammengebracht, erweitert und zukunftsfähig ausgerichtet werden. Dies ist nicht zuletzt auch aufgrund der gestiegenen Anforderungen, beispielsweise durch das Berliner Mobilitätsgesetz, notwendig. In den unterschiedlichen Teilprojekten wird das eUVM-Projekt auf Grundlage einer umfassenden Datenbasis potenzielle Maßnahmen analysieren und in einem integrierten Ansatz ein abgestimmtes Spektrum an Maßnahmen umsetzen. Das Projekt zielt auch darauf ab, der Öffentlichkeit das komplexe Zusammenspiel zwischen Verkehr und Umwelt näher zu bringen und in ihren mobilen Alltag zu integrieren.

Grafik Vernetzung von Verkehrsteilnehmern

Projektbeschreibung

Januar 2021 – Dezember 2024
Die im Juli 2019 beschlossene zweite Fortschreibung des Berliner Luftreinhalteplans umfasst neben zahlreichen Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrzeugtechnik vor allem Maßnahmen zur Verringerung, Vermeidung und Verstetigung des Verkehrs. Die Maßnahmen sollen hoch belastete Gebiete entlasten und den Umweltverbund fördern. Im Zentrum der Bemühungen um das Thema saubere Luft steht Stickstoffdioxid, da es besonders gesundheitsschädlich ist. 

Streckenbezogene Geschwindigkeitsbeschränkungen und Fahrverbote für Dieselfahrzeuge wurden an jenen Straßen angeordnet, wo Überschreitungen der zum Schutz der menschlichen Gesundheit erlassenen Luftschadstoffgrenzwerte in der Vergangenheit überschritten und auch zukünftig nicht ausgeschlossen werden können. Dadurch konnte bereits eine Verbesserung der Luftschadstoffsituation erreicht werden.

Mithilfe dieses erweiterten umweltsensitiven Verkehrsmanagements (eUVM) soll die Luftschadstoffbelastung in hoch belasteten Straßen und städtischen Teilräumen gesenkt und eine weitere Emissionsminderungswirkung erreicht werden. Voraussetzung für diese Maßnahmen ist die Bereitstellung aktueller, qualitativ hochwertiger Verkehrs- und Luftqualitätsdaten für das Verkehrsstraßennetz, deren Erhebung ein wichtiger Teil des Projektes darstellt (Teilprojekte Verkehrsdatenanalyse, Parkdatenanalyse und Luftschadstoffprognose).

Durch eine moderne Kommunikationsstrategie soll zudem die Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmenden für das Thema Luftschadstoffe im Verkehr weiter verbessert werden. Zusätzlich soll dadurch auch die Verkehrsmittelwahl beeinflusst werden und eine Stärkung des Umweltverbunds aus Fuß- und Radverkehr und öffentlichem Nahverkehr stattfinden. Informationen über aktuelle Luftbelastungen im Straßenverkehr, ggf. gekoppelt mit Stauprognosen, sollen die Verkehrsteilnehmenden motivieren, Verkehrsmittel des Umweltverbundes zu nutzen.

Das erweiterte umweltsensitive Verkehrsmanagement zielt auf eine dauerhafte Reduzierung des privaten Autoverkehrs bei konsequenter Förderung des Umweltverbundes ab. Neben der Reduzierung der Luftbelastung im Jahresmittel sollen insbesondere hoch belastete Tage entschärft werden. Berlin möchte real erproben, welche Maßnahmen in welchen Teilgebieten umgesetzt werden können, ohne andere Gebiete zu stark zu belasten oder die Reisezeiten bzw. Reisedistanzen zu stark zu verlängern. Für viele weitere Großstädte, aber auch für kleinere Kommunen können dadurch wichtige Informationen abgeleitet werden, wie der motorisierte Individualverkehr reduziert werden kann. Die eingeführten Maßnahmen sollen hinsichtlich ihres Effektes und ihrer Akzeptanz bewertet werden. Des Weiteren soll eine umfangreiche Validierung der Emissionsminderungswirkung stattfinden.

Das Projekt „Aufbau und Betrieb eines erweiterten umweltsensitiven Verkehrsmanagementsystems in Berlin (eUVM)“ wird mit 5,45 Mio € durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) im Rahmen der Förderrichtlinie „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ als Teil des Sofortprogramms Saubere Luft gefördert.

Teilprojekte

Ziel des eUVM Projekts ist die Senkung der Luftschadstoffbelastung in hoch belasteten Straßen und städtischen Teilräumen und Förderung der Mobilitätswende durch den Aufbau und eine Erweiterung des umweltsensitiven Verkehrsmanagements. Dieses Ziel wird durch die Synergien der unterschiedlichen Teilprojekte erreicht. Die ersten vier Teilprojekte sind bereits gestartet (Stand 03/22), detaillierte Informationen zu allen Arbeitspunkten werden im Verlauf des Projekts auf dieser Website zur Verfügung gestellt.

Logo BMVI Förderung durch Beschluss des Bundestag
Die Verkehrsdatenanalyse liefert tiefgreifende Erkenntnisse zum Mobilitätsverhalten und den Ursachen und Mustern von Kapazitätsgrenzen und deren Überschreitungen. Für diese Analysen sollen u.a. zeitlich und räumlich hoch aufgelöste Floating Car Data (FCD) und Daten von stationären Verkehrszähleinrichtungen ausgewertet werden. Letztendlich sollen Maßnahmen vorgeschlagen werden, die geeignet sind, die verkehrsbedingten Luftschadstoffbelastungen zu reduzieren. Weiterlesen…
Die öffentlichen Parkplätze und deren Auslastung sollen digital erfasst werden, um mittelfristig ein effektiveres und effizienteres Parkraummanagement zu betreiben. Die Erfassung des ruhenden Verkehrs soll dabei mit der Erfassung des fließenden Verkehrs verknüpft werden. Durch die zusammenhängende Betrachtung der beiden Ebenen Parkraum und Verkehr können Erkenntnisse zu den Themen Parksuchverkehr, Verkehrsminderung und -induktion sowie Rebound-Effekten gewonnen werden, die im Zusammenhang zur Parkraumbewirtschaftung stehen. Weiterlesen…
Für eine wirksame luftschadstoffabhängige Verkehrssteuerung, ist eine Prognosefunktion für einen Zeitraum bis fünf Tage im Voraus notwendig. Die dafür notwendigen Programme werden erarbeitet und in das Verkehrssteuerungssystem eingebunden. Weiterhin werden neuartige flexibel einsetzbare Sensorsysteme zur Luftschadstoffmessung getestet, die das bestehende Luftgütemessnetz in Zukunft ergänzen können. Weiterlesen…
Die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz (SenUMVK) stellt Verkehrsinformationen und damit verbundene Fachdaten über die neu entwickelte landeseigene Digitale Plattform Stadtverkehr (DPS) frei zur Verfügung. Die Neugestaltung bietet dem Land Berlin, den Bürger*innen, der Verwaltung, Wirtschaft und Forschung ein intuitiv und frei zugängliches Webportal, welches den Zugriff auf sämtliche Daten der Mobilitätsplattform und somit ein effizientes Management von innovativen Datenströmen ermöglicht. Weiterlesen…

Umweltsensitives Verkehrsmanagement

Aufbauend auf den Ergebnissen aus der Analyse des Verkehrsgeschehens werden verkehrslenkende Maßnahmen geprüft. Ergänzend werden Ansatzpunkte für die Partizipations- und Kommunikationsstrategie identifiziert, um neben der Verkehrslenkung auch Minderungspotenziale durch eine umweltsensitive Verkehrsmittelwahl und den Einsatz sauberer Fahrzeuge zu erschließen.

Eine junge Frau läuft im Vordergrund, dahinter läuft ein Mann mit Fahrrad, im Hintergrund ein Auto vor dem DB Tower am Potsdamer Platz

Kommunikationsstrategie

Das Projekt wird durch eine zeitgemäße und wirksame Kommunikationsstrategie begleitet. Mithilfe der Projekterkenntnisse werden Maßnahmen zur Sensibilisierung und zur Verkehrsmittelwahl der Bürger*innen identifiziert und strategisch realisiert.

Luftaufnahme der Straßen von Berlin

Umweltsensitives Routing

Eine wichtige Kommunikationslinie ist die Integration von Daten in viel genutzte Routing-Systeme, um Routenverläufe entsprechend der Zielgröße „geringste Schadstoffemission” generieren zu können. Im Ergebnis könnte so neben den bisherigen Optionen „schnellste Route” und „kürzeste Route” auch die Option „ökologischste Route” bereitgestellt werden.

Im Vordergrund ist eine Fußgängerampel auf grün geschaltet. Im Hintergrund laufen ein Mann und eine Frau über die Straße

Evaluierung der Maßnahmen

Anhand der umfangreichen Verkehrsdaten, die in diesem Vorhaben erhoben werden, sollen kontinuierlich die Emissionen berechnet und regelmäßig geeigneten Vergleichsdaten gegenübergestellt werden. Dies erlaubt eine zeitnahe Evaluierung der Maßnahme, zeigt Nachbesserungsoptionen und erlaubt eine kontinuierliche Optimierung des umweltsensitiven Verkehrsmanagements.

Bilder © Ralf Rühmeier, Adobe Stock/Arto

Aktuelle Informationen

An dieser Stelle werden regelmäßig Neuigkeiten aus den Testfeldprojekten veröffentlicht. Eine Übersicht aller Beiträge und Nachrichten zu unseren Projekten finden Sie im Logbuch.

2.Film Abspann mit Partnerlogos

2. Shuttles&Co Film

Im Berliner Forschungsprojekt Shuttles&Co wurde von 2020 bis Juni 2022 das autonome und vernetzte Fahren im Berliner Straßenland u.a. im ÖPNV-Regelbetrieb erfolgreich getestet.

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